Hermann
Meine liebe Gerti,
wenn ich heute auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, dann sehe ich ein Leben voller Erinnerungen. Ein Leben, in dem wir viele schöne, aber auch schwere Zeiten miteinander geteilt haben.
Gerade in unseren jungen Jahren wurde uns nichts geschenkt. Als wir unser Haus bauten, mussten wir auf vieles verzichten. Es waren Jahre voller Arbeit, Sorgen und Entbehrungen. Neben der täglichen Arbeit waren zusätzliche Heimarbeiten notwendig, damit wir unsere Rückzahlungsraten immer pünktlich bezahlen konnten.
Es war nicht immer leicht. Doch wir hatten ein gemeinsames Ziel, für das wir gearbeitet und gekämpft haben. Und wir haben es gemeinsam geschafft.
Später, als die größten Sorgen hinter uns lagen, konnten wir endlich auch die schönen Seiten des Lebens genießen. Du hattest immer eine große Reiselust, wolltest Neues entdecken und die Welt sehen. Mit unserem selbst gebauten Wohnmobil konnten wir uns diesen Traum erfüllen. Gemeinsam unterwegs sein, fremde Orte kennenlernen, die Freiheit genießen und einfach Zeit füreinander haben – das waren wunderbare Jahre, an die ich mich immer gerne erinnern werde.
In der Pension hattest du endlich mehr Zeit für die Dinge, die dir besonders am Herzen lagen. Mit viel Geduld, Liebe und Hingabe hast du deine Ikonen gemalt. Auch das Singen der Liturgielieder im Chor Chrysostomos bereitete dir große Freude. Es war ein wichtiger und erfüllender Teil deines Lebens.
Doch dann kam die Parkinson-Krankheit und veränderte nach und nach so vieles. Dinge, die früher selbstverständlich waren, wurden immer schwieriger. Du musstest auf manches verzichten, was dir lieb und wichtig war. Es tat weh, mitanzusehen, wie dir diese Krankheit Stück für Stück deine Selbstständigkeit nahm.
Meine liebe Gerti,
wir haben in unserem gemeinsamen Leben viel gearbeitet, viel entbehrt, aber auch viel Schönes erlebt. Nicht jeder Tag war einfach, und nicht immer schien die Sonne. Doch all diese Jahre gehören zu unserer Geschichte, zu unserem gemeinsamen Leben.
Wenn ich heute zurückblicke, dann denke ich nicht zuerst an die schweren Zeiten, sondern an das, was wir miteinander aufgebaut, erlebt und erreicht haben.
Ich bin dankbar für die vielen Jahre an deiner Seite, für unser gemeinsames Zuhause, unsere Reisen und all die kleinen und großen Erinnerungen, die mir niemand nehmen kann.
Nun bist du nicht mehr da, und vieles ist still geworden. Aber in unserem Haus, in meinen Gedanken und in meinem Herzen wirst du immer deinen Platz haben.
Danke, Gerti, für unser gemeinsames Leben.
Dein Hermann
Sebastian Schwaiger„Woast“Geboren:
Aloisia Schwaigergeb. StöcklGeboren: